Es war einmal ein verwunschener Wald, in dem die Geschichten aus vergangener Zeit zum Leben erweckt wurden. Dieser erhabene Wald lag in einem ruhigen Tal und entführte jeden, der ihn besuchte, in eine märchenhafte Welt.

Er lebte von den Menschen, die zu ihm kamen, staunten und ihre kindliche Begeisterung für sagenhafte Geschichten versprühten. Je mehr und je unterschiedlicher seine Besucher waren, desto mehr freute er sich und lebte auf. Er war da für alle, die sich an der Schönheit der Natur und dem Zauber von Märchen erfreuten und bat sie herein, wann immer sie vor seiner Pforte standen.

Es lebten in diesem Wald all jene Figuren und Geschichten, die die Menschen schon in ihrer Kindheit kennen und lieben gelernt und selbst in hohem Alter nicht vergessen hatten. Auch der Wald liebte seine Bewohner. So sehr sogar, dass er für jede Geschichte mit ihren Figuren ein eigenes Häuschen beherbergte, in dem sie leben konnten.

Der Zahn der Zeit, der an allem Lebendigen nagt, schien an diesem besonderen Ort vorüberzugehen. Die Jahreszeiten wechselten zwar unaufhörlich die Farben der Blätter seiner Bäume, aber die Schönheit des Ortes blieb unverändert. Dies lag gewiss an der Magie, die dem Wald innewohnte, aber auch an den Menschen, die diesen Ort liebten und ihn mit Herz und Fleiß hegten. Unaufhörlich sorgten sie dafür, dass er seinen Charme so versprühen konnte, wie er es an seinem ersten Tag getan hatte.

Viele schöne Jahre zogen so ins Land und der Wald lebte wie es ihm bestimmt war: in Harmonie mit den Menschen, die ihn besuchten. Doch es kam eine Zeit, da wurden die Menschen nachlässig mit ihm und schenkten ihm weniger Beachtung als zuvor. Wie ein Schleier legte sich die Nachlässigkeit über die Schönheit des Waldes, sodass seine Magie immer schwächer zum Vorschein kam.

Der Zahn der Zeit, der zuvor an diesem besonderen Ort vorüber gegangen war, kam nun regelmäßig zu ihm und hinterließ seine Spuren. Er sprach: “Lieber Wald, da die Menschen nachlässig mit dir geworden sind, kann ich nun nicht länger an dir vorüber gehen. Und so werde ich auch bei dir innehalten und meine Arbeit verrichten”. Der erhabene Wald verlor so an Kraft, die Häuschen der liebgewonnenen Figuren und Geschichten bekamen Risse und Macken und auch die Wege, die die Menschen von einem verwunschenen Häuschen zum anderen geleiteten, wurden immer unebener.

Doch eines blieb unverändert, wie oft der Zahn der Zeit den Wald auch besuchte: die Hoffnung des Waldes darauf, dass es wieder so werde wie früher, als sich die Menschen um ihn gekümmert hatten und er seine Magie gänzlich entfalten konnte.

Und der Wald hoffte nicht vergebens. Es kamen Menschen, die seine Rufe erhörten und sich von ihnen tief berührt fühlten. Sie gingen zum Zahn der Zeit und baten ihn, den Wald wieder seltener zu besuchen, da sie sich nun wieder mit Herz und Fleiß um ihn kümmern wollten. Er möge ihnen bitte etwas Zeit geben, um die Spuren, die er in dem Wald hinterlassen hatte, zu verwischen und ihm den Schleier der Nachlässigkeit zu nehmen, der ihn die letzten Jahre umhüllt hatte. Der Zahn der Zeit willigte ein, denn er erkannte den guten Willen dieser Menschen. Und so begaben diese sich mit vereinten Kräften daran, dem Ort seinen ursprünglichen Charme zurück zu geben: Sie stärkten den Wald, sie kümmerten sich um die Häuschen, die das Zuhause der liebgewonnenen Figuren und Geschichten waren und ebneten die Wege, die jeden Besucher von einem verwunschenen Häuschen zum anderen geleiteten.

Da war der Wald so voller Glück, dass er sprach: “Zwar kenne ich nicht alle Wälder dieser Welt, aber ich glaube, ich bin von allen der glücklichste!” Und er freute sich auf all die kleinen und großen Besucher, die sich an der Schönheit der Natur und dem Zauber von Märchen erfreuen wollten.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.